Logo des Vereins
Polar-Routen e.V.
Foreningen for vandring og
naturbeskyttelse i Grønland
 
 
Amitsorsuaq, set fra kano center
 
  baggrund:  hvid • semi-transparent • transparent velg språg:   dansk English deutsch
     
 Menuen: 
Wir über uns

Websites in Deutsch » Wir über uns

Wir über uns

Wie das Projekt begann

Der Verein, der hinter dieser Internetseite steht, hat eine längere Vorgeschichte. Im Sommer 2006 bin ich zum ersten Mal nach Grönland gefahren und auf dem "Arctic Circle Trail" von Kangerlussuaq nach Sisimiut gelaufen. Seither bin ich die Strecke zwölfmal gelaufen, neunmal von Kangerlussuaq nach Sisimiut und dreimal von Sisimiut nach Kangerlussuaq. Da entwickelt man schon eine besondere Beziehung zu "seinem Wanderweg".

Arctic Circle Trail - Polar-Route

Apropos "unser Wanderweg": In der Öffentlichkeit wird er meist "Arctic Circle Trail" genannt. Sucht man ihn aber auf der "Wanderkarte Westgrönland" (im Maßstab 1:100.000, die jede/r mit den drei Blättern "Kangerlussuaq", "Pingu" und "Sisimiut" haben sollte, der/die die Strecke erwandern will), dann findet man dort den Namen "Polar-Route", den Grönländer diesem Wanderweg offenbar gegeben haben, als er - nach meiner Information etwa 1990 - als Fernwanderweg in Westgrönland markiert wurde. Offenbar meinten einige, dass dieser Name nicht so "trendy" wäre, und nannten ihn deshalb einer nordamerikanischen Tradition zur Benennung von Fernwanderwegen folgend "Arctic Circle Trail" (abgekürzt "ACT"), wie auch der Titel des ersten Buchs über ihn in deutscher Sprache lautet. Als ich bei den Plänen zur Gründung eines Fördervereins auf der Suche nach einem authentischen Namen einmal Grönländer fragte, wie sie den Weg in ihrer Sprache nennen, erhielt ich keine eindeutigen Antworten. "Polar-Route" ist ein Name, den man in fast allen Sprachen verstehen kann; und deshalb entschloss ich mich dann für diesen Namen. Der Weg wurde nicht angelegt, um parallel zu einem bestimmten Breitengrad (66° 39" N bzw. Polarkreis) zu laufen, sondern er durchquert eins der ältesten Wandergebiete nomadisch lebender Inuit, das heute noch in Grönland existiert und sein Gesicht nicht verändert hat, seitdem vor 4500 Jahren der erste Mensch seinen Fuß darauf gesetzt hat. Auch heute noch gibt es in der Region Hunderte entdeckter und unentdeckter archäologischer Fundstätten. Lasst sie bitte unberührt, wenn Ihr welche auf der Wanderung findet!

Wo Spuren von Mensch und Tier noch parallel sind

Das Hintergrundbild zu dieser Website zeigt Fußspuren von Menschen und von Rentieren auf der Polar-Route. Wenn man in Kontinentaleuropa auf einem Wanderweg Fährten von Wild sieht, dann kreuzen sich die Spuren von Mensch und Tier. Hier in Grönland sind sie noch parallel - seit 4500 Jahren. Und so soll es bleiben!
Das ist - im wörtlichen wie im übertragenen Sinne - auch der Gedanke gewesen, um mit Gründung eines Fördervereins bürgerschaftliches Engagement zu aktivieren, das dazu beitragen soll, diesen einzigartigen Wanderweg auch bei einer steigenden Zahl von Touristen in Grönland im Allgemeinen und von Wanderern auf der Polar-Route im Besonderen zu erhalten.

Nicht nur Fußspuren

Ein amerikanischer Slogan, der zur Bewahrung der Natur aufruft, heißt: "Leave no traces but your footprints!" (Hinterlasst keine Spuren außer euren Fußspuren!) Leider findet man aber auf der Polar-Route mehr Spuren - von Wanderern aus aller Welt wie von einheimischen Jägern. Es tut schon weh, wenn man auf der Wanderung sieht, wie der Weg durch achtlos weggeworfenes Toilettenpapier (vielleicht noch Feuchtigkeitspapier mit einer Kunststoffbasis, die in der Natur Jahre überdauert) markiert wird, oder wie durch fahrlässigen Umgang mit Feuer große Flächen abgebrannt sind.
Darüber hat es mit den Wanderern unterwegs viele Gespräche und oft auch heiße Diskussionen gegeben. Da fällt mir eine lange Diskussion mit Sabine S., einer Tierärztin aus Österreich, ein, als ich nachts sehr spät in die Hütte Ikkattooq kam. Sie begrüßt mich mit der Frage: "Bist Du der Frieder?" An die Begebnung kann sie sich noch gut erinnern. Natürlich hatte ich keine Motorsäge mit, wie sie fälschlich behauptet; siehe vorstehender Link, nach "Frieder" suchen. Sie berichtete davon, schon auf vielen ähnlichen Wanderwegen gewesen zu sein, in Alaska, Kanada oder auf Island, aber dort wäre das Problem einer Vorbeugung gegen Verschmutzung besser geregelt. "Hier muss ein Trailmanagement her," lautete ihre Forderung. Nicht unerwähnt lassen möchte ich hierbei Gespräche mit dem früheren Bürgermeister Hermann Berthelsen und dem Vice-Gemeindedirektor Laust Løgstrup. Wenn man auf der Polar-Route wandert, hat man viel Zeit zum Nachdenken über solche und ähnliche Diskussionen. Und als ich 2011 im Krankenhaus in Sisimiut (ambulant) eine Fußverletzung (Bänderzerrung, ich war auf einem nassen Weg ausgerutscht) behandeln lassen musste und 10 Tage in der Jugendherberge festsaß, wurde das Nachdenken konkreter.

Den Weg erhalten - eine kommerzielle Lösung?

Im Prinzip kann man zwei unterschiedliche Ansätze für ein solches Trailmanagement unterscheiden, die natürlich beide auch etwas mit der Finanzierung zu tun haben, was in einem Land wie Grönland mit großer Fläche von mehr als 2 Millionen km² und nur 56.000 Einwohnern ein nicht zu unterschätzendes Problem ist. Der eine Ansatz ist eine kommerzielle Lösung (oder zumindest das Versprechen, eine solche zu finden). Ich möchte diesen Ansatz nicht generell verteufeln, aber in diesem Fall ist es ein Weg, der in die Irre führt. Eine kommerzielle Lösung für diesen Wanderweg würde dazu führen, die Zahl der Wanderer im Interesse der Gewinnmaximierung künstlich zu erhöhen. Und das würde, so oder so, zu einer Zerstörung des Wanderweges unter den Bedingungen der arktischen Umwelt führen.
Den Weg erhalten - eine ordnungspolitische Lösung?
Ein anderer Ansatz, ich möchte das die "Law-and-Order"-Methode nennen, stützt sich auf ordnungspolitische Maßnahmen. Von solchen Modellen hatte auch Sabine aus Island, Kanada und Alaska berichtet. Da wird ein Schutzgebiet deklariert. Es werden Zugangsbeschränkungen erlassen, oft im wörtlichen Sinne mit einer Schranke an jedem Ende des Weges durch das Schutzgebiet, es werden Ranger eingestellt, die die Einhaltung der Schutzbestimmungen überwachen, bei Regelwidrigkeiten Sanktionen erlassen und, wenn nötig, die Zahl der Wanderer auf eine verträgliche Zahl reduzieren. Und schließlich kann auch eine Gebühr erhoben werden, mit der das alles - wenigstens teilweise - finanziert wird. Das mag in vielen Gegenden funktioneren, z.B. auf dem Kungsleden in Schweden, wo die Bevölkerung ein gewisses Maß an Bürgerdisziplin gewohnt ist. Für die Polar-Route in Grönland aber halte ich das nicht für eine realistische Lösung.
Wie wollte man Einheimischen in Grönland sagen, dass sie um eine Genehmigung nachsuchen müssten, wenn sie die Polar-Route benutzen oder überqueren wollen. Die Polizei kann schon jetzt die illegale Benutzung von "ATVs" (= Abkürzung für "All Terrain Vehicle", Geländefahrzeuge, in Deutschland auch "Quad" genannt) nicht verhindern. Und was die Finanzierung durch Gebühren betrifft: Eine Gebühr in vertretbarer Höhe würde nicht im Entferntesten ausreichen, die Gehälter der Ranger, die sie erheben sollen, zu finanzieren.

Den Weg erhalten - durch die Wanderer selbst!

So kam ich bei meinem Zwangsaufenthalt in Sisimiut im Sommer 2011 auf die Idee eines dritten Ansatzes, nämlich den Erhalt des Wanderweges oder wenigstens die Unterstützung seines Erhalts durch bürgerschaftliches Engagement der Wanderer selbst. Da ich in Sisimiut Zeit hatte, besprach ich die Pläne auch mit dem Vize-Gemeindedirektor Laus Løgstrup. Er fand die Pläne gut.
Dann habe ich mich gefragt, wie willst du zu Hause in Berlin Menschen finden, die sich für diese Idee begeistern lassen, um beispielsweise als Träger solcher Aktivitäten einen Förderverein zu gründen. Das geht nicht, sagte ich mir, du kannst eine solche Initiative nur hier starten, wenn du deine Tour zwischen Kangerlussuaq und Sisimiut machst. So entwarf ich in der Jugendherberge den Satzungstext für einen Förderverein auf dem Computer, der dort für den Internetzugang stand. Die dänischen Umlaute wie ø, Ø, æ oder Æ habe ich mit "replace" durch ö, Ö, ä und Ä ersetzt, den Text auf einem Stick abgespeichert und dann in der öffentlichen Bibliothek ausdrucken lassen. Damit im Rucksack bin ich dann, als mein Fußgelenk wieder o.k. war, nach Kangerlussuaq gelaufen.

Die Gründung des Fördervereins

Aber Mitte August waren nicht mehr viele Wanderer unterwegs, die ich zu einer "Gründungsversammlung in einer Hütte" hätte motivieren können. In der Hütte Innajuattoq II (die schöne Hütte unten am See) traf am 12. August 2011 abends spät, als das Wetter schon ungemütlich geworden war, Parma A. aus Sisimiut ein, die auf einer Wanderung von Kangerlussuaq nach Hause war. Als ich ihr von der Idee erzählte fand sie sie toll, und wir haben dann den Verein gegründet. Auf dem weiteren Weg haben sich noch ein paar Wanderer angeschlossen, um die erforderliche Zahl der sieben Gründungsmitglieder voll zu bekommen. Und in Berlin habe ich dann den Verein zur Eintragung in das Vereinsregister angemeldet und beim Finanzamt die vorläufige Bescheinigung über die Gemeinnützigkeit beantragt. Dann war der Verein "Polar-Routen e.V. Förderverein für Wandern und Naturschutz in Grönland" juristisch erst einmal gegründet, aber eben nur das. Bei meiner nächsten Grönland-Reise habe ich das Organisatorische, was über die juristischen Schritte hinausgeht, fortgesetzt.
Vor allem brauchten wir einen Startpunkt in Kangerlussuaq, wo genügend Wanderer zu treffen sind, denn die meisten machen die Wanderung von Kangerlussuaq nach Sisimiut. Damals hatte gerade Erik Lomholt-Bek neben seiner Jugendherberge in Sisimiut eine zweite Jugendherberge in Kangerlussuaq gegründet. Ich schlug ihm vor, im nächsten Jahr meine Gründungsbemühungen fortzusetzen und dabei als Volontär oder "volonteer" in der Herberge in Kangerlussuaq, die sein Freund Henrik A. verwaltete, fortzusetzen. Er fand dies gut und stimmte zu. Aber dazu kam es im folgenden Jahr nicht. Nach meiner Rückkehr stellte ich einige Symptome fest, und die ärztliche Diagnose lautete: Krebs. Es folgten sieben Operationen. Und auch zwischen den Krankenhausaufenthalten musste ich jetzt einen Katheter tragen, neun Monate lang ...
Da war an eine Grönlandreise vorerst nicht mehr zu denken. Aber im Mai 2014 erhielt ich die Diagnose, dass keinen Krebszellen mehr gefunden worden waren. So entschloss ich mich kurzfristig, wieder nach Grönland zu fliegen, wo ich jetzt drei Monate als Volontär in der Jugendherberge Kangerlussuaq wohnte.

Der Neustart

Ich war ja jetzt - mit 70 Jahren - Rentner, und da konnte ich mir einen dreimonatigen Aufenthalt in Grönland eigentlich ebenso gut leisten wie andere einen dreiwöchigen. So war ich drei Monate als Volontär in der Jugendherberge. Das war sicherlich sehr wichtig, und ich habe in dieser Zeit einiges gelernt; aber trotzdem merkte ich, dass das Projekt so nicht beginnen konnte.
In Grönland gibt es kein Jugendherbergswerk wie in Deutschland oder in Dänemark. Und ebenso gibt es dort auch keine Organisation, die dem Deutschen Alpenvervein entspräche oder den regionalen Wander- und Naturschutzverbänden oder Verbänden in anderen Ländern wie z.B. die Norwegischen Touristenvereinigung DNT (= Den Norske Turistforening) mit ihren 300.000 Mitgliedern. Deshalb werden Wanderwege wie die Polar-Route und die Hütten auf ihnen entweder von der Kommune unterhalten oder gar nicht, aber nicht von einer Organisation der Wanderer selbst. Und Jugendherbergen wie die beiden von Erik können nur als Erwerbsbetriebe unterhalten werden, wenn sie Bestand haben sollen. Dem gegenüber sind andere Ziele notwendigerweise nachrangig. Man kann also nicht als die Jugendherberge zu einem Startpunkt für eine Initiative zum Erhalt der Polar-Route umfunktionieren, so wichtig es auch für die Wanderer ist, eine solche Herberge in Kangerlussuaq und Sisimiut zu haben.
Die meisten Wanderer auf der Polar-Route beginnen ihre Tour in Kangerlussuaq. Zu Beginn sind sie darauf eingestellt, 14 Tage in der Wildnis zu leben. Deshalb merkte ich bald, dass für sie der Campingplatz in Kangerlussuaq die erste Adresse als Startpunkt war. Wenn sie dann in Sisimiut ankommen, suchen sie dort die Jugendherberge auf, wo sie nach 14 Tagen in der Wildnis wieder einmal in einem Bett schlafen, eine warme Dusche nehmen, ihre Wäsche waschen oder in der Wandererküche etwas kochen können. Das bietet ihnen in Sisimiut Eriks Vandrehjem in besserer Qualität und zu einem günstigeren Preis als alle anderen Einrichtungen. Natürlich kann man auch gut in Kangerlussuaq im Vandrehjem starten; aber vielen reicht eben der Campingplatz.

Der Campingplatz in Kangerlussuaq

Der Campingplatz in Kangerlussuaq war aber 2014 gerade geschlossen worden. Über Jahre hinweg war er der Polar-Lodge bzw. ihrem Träger (nach meiner Kenntnis unentgeltlich oder gegen ein symbolisches Entgelt) vom Flughafen überlassen worden. 2014 war dieser Träger "World of Greenland / Arctic Circle (WOGAC)", wie der englische Name sagt, ein dänisches Reiseunternehmen, dem (außer dem Flughafenhotel und dem Vandrehjem) in Kangerlussuaq so ziemlich alles gehört, was mit Tourismus zu tun hat: die Polar-Lodge, das Old Camp, Roklubben (der Ruderklub), das Museum, die "Touristeninformation" und nicht zuletzt die vielen Busse und Trucks, die ankommende Touristen zum Russell-Gletscher und zum Inlandeis (Point 660) fahren. In Ilulissat sind die Besitzverhältnisse ähnlich. Inzwischen ist "World of Greenland / Arctic Circle" zu "Albatros Arctic Circle" geworden. Und 2014 war WOGAC zu dem Ergebnis gelangt, dass sich der Campingplatz, wie man heute in Deutschland sagt, "nicht mehr gerechnet" hat. Und so hat man ihn einfach geschlossen und ein Schloss vor das blaue Haus gehängt. Natürlich durfte man dort dann noch zelten wie überall in Grönland, aber das Wasser wurde abgestellt, die Toilette (im blauen Haus) geschlossen und die Benutzung der Dusche in der Polar-Lodge untersagt.
Da ist mir die Idee gekommen, dass doch der Förderverein Polar-Routen e.V. den Campingplatz wiedereröffnen und als Startpunkt für das geplante Projekt zum Wanderweg nutzen könnte. Nach einiger Recherche fand ich heraus, dass das Grundstück des Campingplatzes (alle Grundstücke sind Gemeineigentum in Grönland) der Verfügung der Zentralregierung in Nuuk unterstand, die den Flughafen in Kangerlussuaq mit der Verwaltung beauftragt hatte. Also stellte ich - am 1. September 2014 - einen Antrag auf Arealzuteilung an den Flughafen zusammen mit einem Kaufantrag für das Blaue Haus auf dem Campingplatz. Dass drei Wochen später bei meiner Heimreise noch keine Antwort vorlag, ist nicht verwunderlich. Als ich aber 10 Monate später wieder in Grönland war und Rita, die damalige Flughafenchefin, fragte, was aus dem Antrag geworden sei, antwortete sie mir, damit habe sie nichts mehr zu tun.
Grönland ist ein Land mit einer kleinen Einwohnerzahl (56.000), einer großen Fläche (2.166.000 km²) und einer beachtlichen Bürokratie. Unterwegs zwischen Kangerlussuaq und Sisimiut habe ich meinen Weg bisher immer mühelos selbst gefunden, in dem bürokratischen Labyrinth aber hätte ich mich jetzt verirrt, wenn nicht Laust Løgstrup, der Vize-Gemeindedirektor mir zu Hilfe gekommen wäre. Sein Anruf im Innenministerium führte in fünf Tagen zu einer Lösung. Das Grundstück des Campingplatzes wurde der Kommune zur Verwaltung übertragen, und Laust rief mich im September 2015, kurz vor meiner Rückreise, an und sagte mir, ich solle den Schlüssel beim Flughafen abholen. Den konnte Lars, der die Technik dort verwaltet, zwar nicht mehr finden, aber mit einem großen Hammer schlug er das Vorhängeschloss auf. In weiser Voraussicht hatte ich mir zuvor ein neues Vorhängeschloss in Sisimiut gekauft. Ich hatte jetzt den faktischen Zugang zum Haus auf dem Campingplatz, aber der rechtliche Status musste noch geklärt werden. Das hat noch etwas mehr als ein Jahr gedauert; im September 2016, unmittelbar nach meiner Rückreise aus Grönland, erhielt der Verein einen Mietvertrag. Mieter ist der Verein im Rahmen der Zielsetzung seiner Satzung und gegen eine symbolische Jahresmiete von 1 dänischen Krone, aber unter der Bedingung, dass der Campingplatz nur von unbezahltem Personal bewirtschaftet werden darf, und u.a. mit der Auflage, dass der Verein die Gäste auf dem Campingplatz und die Wanderer auf der Polar-Route über die diesbezüglichen Intentionen der Kommune informiert und deren feedback an die Kommune zurückleitet.
Im Sommer 2016 musste das Haus erst einmal dringend innen und außen neu gestrichen werden. Allein für das, was die Farbe gekostet hat, hätte ich in Berlin eine Totalrenovierung des Hauses bekommen. Als ich im Flughafen (der in Kangerlussuaq für die kommunale Ver- und Entsorgung zuständig ist) darum bat, die Wasserleitung zum Campingplatz wieder aufzudrehen, erlebte ich eine Überraschung: Die Wasserleitung zwischen zwei Häusern, von der aus der Anschluss zum Campingplatz führte, war erneuert worden; und dabei war der Abzweig zum Campingplatz entfernt worden. Ich könnte aber durchaus - auf eigene Rechnung - eine völlig neue Wasserleitung verlegen lassen: Kostenpunkt ca. 30.000 DKK oder 4.000 €. Als ich mich im Haus umsah, fand ich dort einen alten Wassertank mit ca. 700 l Fassungsvermögen. Auf meine Frage im Flughafen, ob vielleicht der Anschluss des Wassertanks billiger wäre, erhielt ich die Antwort: "Na klar, kostet vielleicht die Hälfte." Misstrauisch geworden, setze ich mich mit Teddy, einem Klempner im Ort, in Verbindung. Der sah sich die Sache gleich an und meinte: "Kein Problem." Er komme nach Feierabend vorbei. Auf meine vorsichtige Frage, was das denn kosten würde, sagte er kurz: "Sechs Tuborg!"
Die nächste Überraschung kam, als der Tank zum ersten Mal mit dem Tankwagen gefüllt wurde. Der Tank hat ein Überlaufrohr, aus dem Wasser austritt, wenn der Tank voll ist. Obwohl schon weit mehr als 700 l eingefüllt waren, trat dort aber kein Wasser aus. Stattdessen kam es unten aus dem Haus heraus. Der Wassertank war nämlich im Winter einmal geplatzt und hatte am oberen Ende einen Spalt von ca. 1,5 cm Breite. Zum Glück aber nur dort, denn als das Wasser aus dem Haus abgelaufen war, da war der Tank immer noch voll. Leider aber kam es nicht aus der Wasserleitung, denn der Abfluss vom Tank war anscheinend verstopft. Aber alle Versuche, die Verstopfung zu beseitigen, schlugen fehl. So habe ich denn den Anschluss, den Teddy montiert hatte, wieder abgeschraubt und mit einem Schlauch für eine Campingdusche verbunden und den dann durch den Spalt in den Tank gelegt. Aus dem Schlauch musste ich dann mit dem Mund das Wasser heraussaugen und ihn schnell mit der Wasserleitung verbinden. Und siehe da, das erste Wasser kam aus der Leitung. Ein par Tage später kam Erik vorbei und brachte mir eine Matratze von einem alten Schlafsofa, eine Kostbarkeit, die es in Kangerlussuaq nirgendwo zu kaufen gibt. Als ich Erik stolz meinen Wasseranschluss zeigte, sagte er mir, dass der Abfluss des Tanks nicht verstopft, sondern durch ein Ventil versperrt sei. Also holte ich noch einmal sechs Tuborg und bat Teddy, das Ventil zu entfernen. Seitdem läuft das Wasser, aber nur wenn der Tank voll ist.
Und weil man vieles für eine solche Renovierung in Kangerlussuaq gar nicht bekommt, musste ich die Arbeiten im Sommer 2017 fortsetzen. Mit einer Sperrholztrennwand habe ich einen kleinen Schlafraum von meinem Büro/Office/Kontor abgetrennt. Und es gibt jetzt eine Freiluftdusche. Wer vorher Wasser mit dem Campingkocher erhitzt, kann sogar warm duschen. Außerdem gibt es eine Photovoltaik-Anlage, die Strom für den Computer oder zum Handy-Aufladen liefert. Außer der Matratze von Erik, die ich zu einem Schlafsofa ausgebaut habe, gibt es im Haus jetzt auch vier Stahlrohr-Betten, die ich von dem Platz geholt habe, wo jeder in Kangerlussuaq Sachen sucht, die man dort nicht kaufen kann, und jede/r die Sachen hinbringt, die er/sie nicht mehr braucht. Ich spreche von der Kippe. Wer also bei Regen oder Sturm auf den Campingplatz kommt, kann auch in einem Bett im blauen Haus schlafen - und das sogar ohne Aufpreis.
Nach der Vereinbarung (dem Mietvertrag) mit der Kommune beträgt der Regelpreis für eine Übernachtung 60,00 DKK (das sind 8,00 €) für eine erwachsene Person pro Nacht. Kinder bis 16 Jahre bezahlen nichts. Massentourismus gibt es in Grönland (noch) nicht; deshalb ist es zu einem niedrigeren Preis nicht machbar.
Da ich den Wanderweg recht gut kenne (wenigstens besser als die, die schlaue Bücher über ihn geschrieben haben), kann ich auch jede/n, der oder die ihn erwandern will, ausführlich beraten, was nichts kostet und wofür ich mir gerne auch Zeit nehme. Auch ist jede/r - ob Campinggast oder nicht - in der blauen Villa Malimmut willkommen zu einem Tee, einem Kaffee oder einer Tasse Qajaasaq (grönländische Spezialität, in Kanada auch "Labrador Tea" genannt) willkommen. Also: seht einfach einmal vorbei, wenn Ihr in Kangerlussuaq seid!

Wie soll es weitergehen?

Wie Ihr auf dieser Internetseite sehen könnt, gibt es in der Gemeinde Qeqqata einen Plan, teils unter Nutzung der Trasse der Polar-Route, teils parallel zu ihr, eine Straße für Quods/ATVs zu bauen. Auf dem Campingplatz und auf der Polar-Route habe ich keinen Wanderer getroffen, der oder die das gut gefunden hätte. Deshalb haben 2016/17 dreihundert Wanderer - Touristen aus dem Ausland wie Einheimische - ein Memorandum (Petition) unterschrieben und die Gemeinde gebeten, dies noch einmal zu überdenken und davon Abstand zu nehmen - leider bisher ohne Erfolg. Wir haben noch nicht einmal eine Antwort bekommen. So habe ich die 300 Unterschriften als Mandat interpretiert, eine umfangreichere Petition an Regierung und Parlament von Grönland, an die dänische Regierung als Vertragspartei der UNESCO und an die UNESCO geschickt. Sie ist - als UNESCO-Dokument - in englischer Sprache geschrieben und kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden. Schließlich hat Grönland die Gegend, durch die die Polar-Route führt, zum Welterbe erklärt; das heißt, der Schutz dieser Region geht uns alle etwas an.
Ich möchte Euch deshalb bitten, diese Petition zu unterstützen und in der Öffentlichkeit darauf hinzuweisen.
Außerdem muss jetzt unser Verein mit Leben erfüllt werden. Deshalb rufe ich Euch auf, ihm als Mitglieder beizutreten.
 :
 
© 2016 - 2018 • Frieder Weiße • Berlin